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Weil das Leben eines Pianisten zu kurz ist, um sich mit zweitrangiger Musik auseinander zu setzen, pflegt Schiff ein vergleichsweise schmales, aber konsequentes Repertoire. Bach, Haydn, Mozart, Schubert stehen im Zentrum seiner interpretatorischen Arbeit – und natürlich Beethoven: Dessen sämtlichen Klaviersonaten hat er einen Zyklus in der Berliner Philharmonie (über zwei Spielzeiten 2006/2007 und 2008/2009) gewidmet. Schiff ist also kein Außenseiter, wohl aber eine Ausnahmeerscheinung des modernen Konzertbetriebs.
Den ersten Klavierunterricht erhielt Schiff im Alter von fünf Jahren, später studierte er an der Budapester Franz-Liszt-Akademie. Den Grundstein für sein kantables Klavierspiel legte dort der Komponist György Kurtág, indem er seinem damals 14-jährigen Schüler beibrachte, mit der Musik zu atmen: Er musste bei der Erarbeitung des romantischen Lied-Repertoires nicht nur die Klavierbegleitung spielen, sondern auch die Vokalstimme singen. Diese Methodik war Schiffs eigener Ansicht nach »der vielleicht wichtigste Impuls« seiner Studienjahre. Heute wird der weltweit gefeierte Konzertpianist als passionierter Liedbegleiter von Sängern und Sängerinnen wie Peter Schreier, Cecilia Bartoli oder Juliane Banse hoch geschätzt.
Prägend für Schiffs pianistische Entwicklung war aber auch die große Bedeutung, die der Kammermusik bei seiner Ausbildung in Ungarn beigemessen wurde: »Jeder machte Kammermusik, nicht aus Pflicht, sondern aus Interesse und Leidenschaft.« Beides will Schiff in seiner Funktion als Pianist in Residence in vier Kammerkonzerten vermitteln. Und es versteht sich von selbst, dass er nicht nur mit Ensembles und Solisten der Berliner Philharmoniker musizieren wird, sondern auch mit den Stipendiaten der Orchester-Akademie.
Wichtige Anregungen für die Auseinandersetzung mit barocker Musik erhielt Schiff von dem 1997 verstorbenen Cembalisten George Malcolm, einem Pionier der historischen Aufführungspraxis. Dessen Erbe gibt der Pianist an heutige Hörer weiter, indem er die Musik des Barockzeitalters zwar auf modernen Konzertflügeln spielt, durch genaue Kenntnisse der barocken Vortragskultur aber zu ebenso authentischen wie frischen Interpretationen findet. Mit der 2003 erschienenen Neuaufnahme von Bachs Goldberg-Variationen hat Schiff einen nahezu konkurrenzlosen Kampf gegen seine 20 Jahre zuvor entstandene, längst als Referenzaufnahme gehandelte Einspielung ausgetragen – und sich selbst übertroffen.

Foto: Shila Rock
